© UNICEF/UNI886247/DawodMutter füttert Kind auf ihrem Schoß
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Kind sein im Sudan: 5 Fakten

Der Krieg im Sudan hat gravierende Auswirkungen für alle Kinder, die im Land aufwachsen. Lesen Sie, wie es ist, jetzt im Sudan Kind zu sein. 

Zahara, das kleine Mädchen, das Sie oben auf dem Foto sehen, grinst zufrieden. Ihre Mutter hat sie mit Erdnusspaste gefüttert. Die Spezialnahrung hilft mangelernährten Kindern wie Zahara, wieder zu Kräften zu kommen. Zahara hat Hilfe bekommen, doch Hunderttausende Kinder im Sudan leiden Hunger und ihre Eltern wissen nicht, wie sie sie ernähren können.

Seit im Frühjahr 2023 Kämpfe zwischen Regierungstruppen und paramilitärischen Milizen ausgebrochen sind, geraten Kinder im Sudan immer wieder zwischen die Fronten. Anstatt zur Schule zu gehen, sich mit Freund*innen zu treffen und zu spielen, mussten Millionen Kinder aus ihrem Zuhause fliehen, sind schwerer Gewalt ausgesetzt und leiden Hunger. Sie erleben keine normale Kindheit – ihre Kindheit ist unter Beschuss. Der brutale Krieg in ihrer Heimat dauert inzwischen seit drei Jahren an.

© UNICEF/UNI843228/Elfatih

Das Ausmaß des Leids, das die Kinder im Sudan aufgrund eines Krieges erleiden, den sie nicht verursacht haben, ist katastrophal. Wir erleben eine Kinderschutzkrise.

Sheldon Yett, Leiter von UNICEF im Sudan

Der Sudan ist flächenmäßig der drittgrößte Staat und gleichzeitig eines der ärmsten Länder auf dem afrikanischen Kontinent. Seit Jahrzehnten kommt es immer wieder zu bewaffneten Konflikten und Gewalt, die politische Lage ist instabil. Auch schwerwiegende Folgen des Klimawandels wie Dürren und Überschwemmungen treffen Familien im Sudan immer wieder.

Die humanitäre Lage im Land war bereits vor dem aktuellen Krieg sehr schlecht. Nun hat sich die Not der Familien massiv verschärft. Über 17 Millionen Kinder benötigen dringend humanitäre Hilfe – weit mehr Kinder als in ganz Deutschland leben. Von der Gewalt besonders betroffen sind die Regionen Darfur und Kordofan im Westen beziehungsweise Zentrum des Landes. Andere Bundesstaaten kämpfen mit der großen Zahl der geflüchteten Menschen.

Was es für Kinder bedeutet, jetzt im Sudan aufzuwachsen, erklären wir anhand von fünf Fakten in diesem Blog:

Fakt 1: In Teilen des Sudans herrscht akuter Hunger

Der Krieg im Sudan hat zu einem katastrophalen Ausmaß an Hunger geführt. Die Menschen können aufgrund der Gewalt ihre Felder nicht bestellen, mussten fliehen und immer wieder kommt es zu Plünderungen. Die landwirtschaftliche Produktion ist stark eingebrochen.

Über 21 Millionen Menschen – beinahe die Hälfte der Bevölkerung – sind im Sudan von hoher akuter Ernährungsunsicherheit betroffen und wissen nicht, wann sie das nächste Mal etwas zu essen bekommen. In Teilen der Bundesstaaten Darfur und Kordofan wurde eine Hungersnot festgestellt. In 20 weiteren Gebieten besteht die Gefahr einer Hungersnot, insbesondere dort, wo viele Binnenvertriebene Zuflucht gesucht haben.

Es wird erwartet, dass 2026 4,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren akuter Mangelernährung leiden werden – davon über 820.000 Kinder an der schwersten Form der Mangelernährung, die lebensgefährlich ist. Viele dieser Kinder leben in Gebieten, in denen ständig gekämpft wird und die deshalb nur schwer zugänglich sind – ohne Hilfe wird sich die Situation weiter verschlechtern.

Wenn Mangelernährung nicht rechtzeitig behandelt wird, kann sie schwere Folgen für die Entwicklung haben. Im schlimmsten Fall sterben Kinder. Auch Halimah fürchtete um das Leben ihrer Tochter Asyaa. Sie konnten aus Al-Fashir in Darfur fliehen und haben in Tawila Zuflucht gefunden. Während sie mit Asyaa schwanger war, überlebte sie monatelang nur mit Tierfutter, da es in der besetzten Stadt nichts anderes gab. Als ihre Tochter zur Welt kam, hatte Halimah nicht genug Milch, um sie ausreichend zu versorgen. Krank und mangelernährt erreichten sie schließlich Tawila, wo beide Hilfe erhielten und Asyaa sich mithilfe von Spezialnahrung nun langsam erholen kann.

Mutter füttert ihr Kind

Halimah füttert ihre sieben Monate alte Tochter. Sie musste mit ihren Kindern vor der Gewalt aus Al-Fashir fliehen.

© UNICEF/UNI914634/Jamal

Unsere Kolleg*innen im Sudan tun alles, um schwer mangelernährte Kinder rasch zu behandeln. Der erste Schritt dafür ist, dass Mangelernährung überhaupt erkannt wird. Dafür untersuchen geschulte Gesundheitshelfer*innen die Kinder. Eltern erhalten Informationen, wie sie ihre Kinder mit allen wichtigen Nährstoffen versorgen können. Damit die Kinder, die tatsächlich von Mangelernährung betroffen sind, schnell wieder zu Kräften kommen, stellt UNICEF lebensrettende, therapeutische Nahrung bereit. 2025 konnten wir mehr als 600.000 schwer mangelernährte Kinder behandeln.

Asyaa bekam Milch und Erdnusspaste im Ernährungszentrum und hat bereits Gewicht zugelegt. "Ich fand hier im Zentrum die Hilfe, die wir verzweifelt gesucht haben", erzählt Halimah. "Asyaa geht es jetzt viel besser und ich werde weiter hierherkommen, bis sie wieder bei Kräften ist."

Fakt 2: Millionen Kinder im Sudan sind auf der Flucht

Aufgrund der anhaltenden Gewalt im Land mussten unzählige Menschen unter gefährlichsten Bedingungen fliehen. 9,5 Millionen Menschen sind innerhalb des Sudans vertrieben so viele wie nirgends sonst. Drei von fünf Vertriebenen sind Kinder. Auf der Flucht sind sie gefährdet, von ihren Eltern getrennt und Opfer von Menschenhandel, Ausbeutung oder Gewalt zu werden.

Mädchen sitzt auf Steinen

Die neunjährige Tuqaa musste mit ihrer Familie aus Al-Fashir fliehen. Sie hat viele Freund*innen und Menschen aus ihrer Nachbarschaft bei den Angriffen verloren.

© UNICEF/UNI941674/Jamal

Schon vor dem Ausbruch der Gewalt vor drei Jahren lebten Millionen Menschen im Sudan als Binnenvertriebene in Flüchtlingscamps und Notunterkünften. Viele Unterkünfte sind hoffnungslos überfüllt, es mangelt an Wasser und sanitären Einrichtungen. Die aufgestellten Zelte bieten kaum Schutz vor Regen, Hitze oder anderen Wetterextremen.

Ein Großteil der Menschen ist innerhalb des Sudans vertrieben, viele Familien suchen aber auch in den afrikanischen Nachbarländern wie Tschad, Ägypten oder Südsudan einen sicheren Ort, an dem sie erstmal bleiben können. Familien, die alles zurücklassen mussten, stehen vor dem Nichts. Sie brauchen dringend Unterstützung.

Ein Fokus der Arbeit von UNICEF im Sudan liegt auf der Hilfe für geflüchtete Menschen. Unsere Kolleg*innen versorgen Kinder und ihre Familien unter anderem mit Trinkwasser, Hygieneartikeln oder Medikamenten. Außerdem richten wir kinderfreundliche Orte ein, an denen Kinder lernen und spielen können und psychosoziale Hilfe erhalten, um das Erlebte zu verarbeiten.

Fakt 3: Kinder erleben schwere Gewalt

Immer wieder werden Kinder Opfer der brutalen Gewalt. Sie werden schwer verletzt oder getötet und es kommt zu Fällen sexualisierter Gewalt. In einem Bericht hat UNICEF festgestellt, dass bereits einjährige Kinder im Sudan vergewaltigt wurden. Auch werden Kinder als Kindersoldatinnen und -soldaten rekrutiert. Gleichzeitig werden Schulen und Krankenhäuser bei Angriffen beschädigt oder zerstört.

Die Gewalt gegen Kinder hat durch den Krieg dramatische Ausmaße angenommen: 2023 verzeichnete der Sudan die höchste Zahl schwerer Kinderrechtsverletzungen seit über einem Jahrzehnt. Im Jahr 2024 stieg diese nochmal um 19 Prozent an. Diese schweren Kinderrechtsverletzungen setzen Kinder traumatischen Erlebnissen aus und hinterlassen oft tiefgreifende und langanhaltende Spuren.

Kinder im Sudan: Von einem Kind gemaltes Bild zeigt die Gewalt

Die erlebte Gewalt lässt viele Kinder nicht los: Dieses Bild hat ein Kind im von UNICEF eingerichteten Lernzentrum im Al Salam Camp für Binnenvertriebene gezeichnet.

© UNICEF/UNI533129/Mohamdeen

UNICEF setzt alles daran, Kinder vor Gewalt in jeglicher Form zu schützen. Wir helfen zum Beispiel ehemaligen Kindersoldatinnen und Kindersoldaten dabei, den Weg zurück in eine normale Kindheit zu finden. In unseren Programmen unterstützen wir Kinder mit Bildungsangeboten, medizinischer Versorgung und psychosozialer Betreuung. Das hilft ihnen, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten. 2025 hat UNICEF zum Beispiel mehr als 1.400 Lernorte eingerichtet, an denen Kinder lernen können und psychosoziale Hilfe erhalten.

Fakt 4: Krankheitsausbrüche bedrohen das Leben von Kindern

In den vergangenen Monaten ist es im Sudan immer wieder zu schweren Krankheitsausbrüchen gekommen. Der fehlende Zugang zu sauberem Wasser sowie mangelnde Hygiene bedingen, dass Krankheiten sich leichter ausbreiten können. Überschwemmungen während der Regenzeit bringen zusätzliche Gefahren mit sich. Cholera bleibt, nach einem schweren Ausbruch in 2024, weiterhin verbreitet, auch Malaria ist auf dem Vormarsch. Über 40 Prozent der weltweiten Malariainfektionen entfallen auf den Sudan. Insgesamt sind mehr als drei Millionen Kinder durch Cholera und andere Krankheiten wie Masern, Malaria, Durchfall und Lungenentzündung gefährdet.

Gleichzeitig haben viele Menschen keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Das Gesundheitssystem im Sudan befindet sich kurz vor einem kompletten Zusammenbruch, etwa 70 Prozent der Gesundheitseinrichtungen sind nicht mehr funktionstüchtig. Es fehlt an Medikamenten und medizinischer Ausrüstung. Das Gesundheitspersonal wurde seit Monaten nicht bezahlt.

Wenn Infektionskrankheiten wie Polio, Cholera oder Masern grassieren, sind Kinder gefährdet, lebensbedrohlich zu erkranken, insbesondere mangelernährte Kinder. Denn ihre Körper sind bereits geschwächt und haben der Krankheit wenig entgegenzusetzen.

Kinder erhalten Choleraimpfung

Kinder, die vor der Gewalt in Kordofan in den Bundesstaat Weißer Nil geflohen sind, erhalten bei einer Impfkampagne eine Choleraimpfung.

© UNICEF/UNI953221/Dawod

Unsere Kolleg*innen setzen Maßnahmen um, um Kinder vor Krankheiten zu schützen und trotz der schwierigen Bedingungen Zugang zu Gesundheitsversorgung zu ermöglichen. Um einer Infektion vorzubeugen, hilft UNICEF zum Beispiel dabei, Kinder zu impfen. In den vergangenen Monaten wurden verschiedene Kampagnen gestartet, um beispielsweise Tetanus bei Müttern und Neugeborenen einzudämmen oder Kinder vor Masern zu immunisieren.

2025 hat UNICEF rund 50 Millionen Dosen für Impfkampagnen in den Sudan geliefert und ermöglichte die grenzüberschreitende Einfuhr von etwa 20 Millionen Dosen nach Darfur über den Tschad, um mehr als 2,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren zu impfen.

Fakt 5: Kinder können nicht zur Schule gehen

Im Sudan herrscht eine der größten Bildungskrisen weltweit. Zahlreiche Schulen sind aufgrund der anhaltenden Gewalt geschlossen, geraten immer wieder unter Beschuss oder werden als Notunterkünfte für geflüchtete Familien genutzt. Die Folge: Rund acht Millionen Kinder können nicht zur Schule gehen. Eine ganze Generation von Schüler*innen verpasst wichtige Zukunftschancen.

Die Schule ist gerade in Konfliktzeiten mehr als ein Klassenzimmer: Neben Lesen, Schreiben und Rechnen lernen Kinder dort soziale und emotionale Kompetenzen, die ihnen helfen, Gewalt, Verlust und Traumata zu bewältigen. Außerdem haben viele Kinder über die Schule Zugang zu wichtigen Dienstleistungen wie Schulmahlzeiten, Impfungen oder auch psychosoziale Unterstützung. Kinder, die nicht zur Schule gehen, verpassen nicht nur den Unterricht, sie sind zudem unmittelbaren Gefahren ausgesetzt, darunter Rekrutierung durch bewaffnete Gruppen und sexualisierte Gewalt.

Für Mädchen ist die Schule ein sicherer Ort, an dem sie Hilfsangebote zum Schutz vor Kinderheirat oder Genitalverstümmlung erhalten. Jetzt, wo viele Schulen geschlossen haben, scheint die Unterstützung für viele unerreichbar. Um diesem Umstand Abhilfe zu verschaffen, richtet UNICEF im Sudan kinderfreundliche, sichere Orte ein, sogenannte Makannas. Dort können Kinder spielen und lernen und bekommen psychosoziale Unterstützung. "Hier fühle ich mich sicher und kann lernen", sagt die elfjährige Marwa, die in einem Makanna in Gedaref am Unterricht teilnimmt. Gemeinsam mit ihrer Familie musste sie fliehen und konnte mehrere Jahre nicht zur Schule gehen. "Vielleicht werde ich ja eines Tages Krankenschwester, wenn ich mit der Schule fertig bin."

UNICEF arbeitet unermüdlich daran, dass alle Kinder Zugang zu Bildung erhalten. 2025 konnten wir gemeinsam mit unseren Partnern Fortschritte erzielen: Etwa 67 Prozent der Schulen im Sudan haben nun wieder geöffnet und 3,2 Millionen Kinder erreichten wir mit Bildungsangeboten.

Kinder lernen in einer Schule

Diese Kinder lernen gerade in der Grundschule in Rokero, Zentral-Darfur. Über 1.200 Kinder gehen in diese Schule, die sich nachts in eine Zuflucht für geflüchtete Familien verwandelt.  

© UNICEF/UNI918168/Jamal

Die Kinder im Sudan brauchen dringend Hilfe

UNICEF ist seit mehr als 70 Jahren im Sudan vor Ort, um die Kinder und ihre Familien zu unterstützen. Auch in der aktuellen, schwierigen Situation setzen wir alles daran, die Grundversorgung der Kinder aufrechtzuerhalten. Unsere Kolleg*innen leisten sowohl Hilfe in Regionen, in die Familien vor der Gewalt fliehen, als auch in den Konfliktgebieten.

Wir brauchen Ihre Unterstützung, um den Kindern und Familien ausreichend helfen zu können. Leider ist die Aufmerksamkeit für die Situation der Kinder im Sudan viel zu gering. Und doch ist die Not der Menschen so groß, dass wir die Hilfe dringend ausweiten müssen.

Vielen Dank, dass Sie uns mit Ihrer Spende helfen. Jeder Beitrag zählt!

Info
Was bedeutet es für Kinder, im Krieg aufzuwachsen?

   

Krieg bedroht Kinder heute in einem alarmierenden, nie dagewesenen Maß: 2023 haben die Vereinten Nationen in Kriegs- und Konfliktgebieten so viele schwere Kinderrechtsverletzungen verzeichnet wie nie zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg.

In unserem Blog widmen wir uns immer wieder der Situation von Kindern im Krieg und blicken auf die für Kinder gefährlichsten Orte. Doch wir teilen auch gute Nachrichten und zeigen, wie wir von UNICEF dank unserer Unterstützer*innen Kindern wirksam helfen können. Lesen Sie zum Beispiel, wie es ist, jetzt Kind in Gaza zu sein oder wie ehemalige Kindersoldaten und Kindersoldatinnen mit UNICEF-Hilfsprogrammen eine neue Chance im Leben bekommen.

Auf unserer Webseite finden Sie auch weitere, übergreifende Informationen zum Thema "Kindheit im Krieg."

Autor*in Stefanie Hack

Stefanie Hack arbeitet als Redakteurin mit dem Fokus Nothilfe. Im Blog schreibt sie über die weltweite Arbeit von UNICEF und entwicklungspolitische Themen.