© UNICEF/UNI658287/AndrianantenainaEin junger Lehrer an einer Tafel mit mathematischen Formeln
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Welttag des Lehrers: Warum 260 Millionen Kinder nicht zur Schule gehen können

Zum Welttag des Lehrers am 5. Oktober rückt ein dramatisches Problem in den Fokus: Weltweit haben 260 Millionen Kinder keinen Zugang zu Bildung. In Madagaskar zeigt sich besonders deutlich, welche verheerenden Folgen der Mangel von Lehrpersonal haben kann.

Der Welttag des Lehrers erinnert jährlich daran, wie wichtig Bildung für die Entwicklung von Kindern und der Gesellschaft ist. Doch für Millionen von Mädchen und Jungen weltweit bleibt der Schulbesuch ein unerreichbarer Traum. Millionen von Kindern und Jugendlichen weltweit erhalten keine Grundschulbildung und lernen daher keine elementare Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen.

Die Corona-Pandemie verschärfte diese bereits dramatische Lage erheblich. So konnten zu Beginn der Pandemie rund 1,5 Milliarden junge Menschen – 85 Prozent aller Schülerinnen und Schüler weltweit – nicht mehr am Schulunterricht teilnehmen.

Madagaskar: Wenn ein Lehrer 61 Schüler unterrichten muss

Besonders drastisch zeigen sich die globalen Bildungsprobleme in Madagaskar. Hier beenden 44 Prozent der Kinder nicht die Grundschule.

Das Hauptproblem liegt im unter anderem am Lehrermangel: Nur rund 20 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer verfügt über eine adäquate Ausbildung. Mehr als 62 Prozent des Lehrpersonals sind sogenannte Freiwillige, die nicht vom Staat, sondern von der Gemeinschaft bezahlt werden. Ein einzelner Lehrer muss im Durchschnitt 61 Schülerinnen und Schüler unterrichten – in Deutschland liegt das Verhältnis bei 1:15.

Laut UNICEF gehen rund 1,5 Millionen Kinder in Madagaskar nicht zur Schule, fast die Hälfte der Schüler bricht die Grundschule vorzeitig ab.

Armut und Klimawandel verstärken das Problem

Die Ursachen für die schlechte Bildungslage sind vielschichtig. 81 Prozent der Menschen in Madagaskar leben in extremer Armut. Durch diese Notlage sind viele Kinder gezwungen, zum Familieneinkommen beizutragen – weil die Familie sonst nicht überleben würde.

Vielen Menschen, insbesondere im Süden Madagaskars, der besonders von Armut geprägt ist, sind in der Landwirtschaft tätig. Hier wird häufig die gesamte Familie in die Arbeit eingebunden, oft sind die Kinder dafür zuständig Wasser holen zu gehen. Meist liegen die Quellen oder Brunnen mehrerer Kilometer weit entfernt, sodass die Kinder einen Großteil des Tages damit beschäftigt sind. Für Schule bleibt da kaum Zeit.

Der Klimawandel wirkt dabei wie ein Brandbeschleuniger auf die bereits bestehenden Probleme. Immer länger anhaltende Dürren sorgen dafür, dass die Kinder zu immer weiter entfernten Quellen laufen müssen. Zudem fallen Ernten aus und Familien sind gezwungen in anderen Sektoren tätig zu werden, beispielsweise in Minen, wo Rohstoffe abgebaut werden. Auch hier sind Kinder in die Arbeit involviert.

Wiederkehrende Zyklone führen dazu, dass Menschen ihr Zuhause verlassen müssen. Bildung hat in solchen Fällen oft keine Priorität für die Eltern – viel wichtiger ist es, einen Ort zum Leben und Arbeiten zu finden.

Bildung als Schlüssel gegen Armut

Die Investition in Bildung zahlt sich langfristig aus. Bildung ist eine zentrale Voraussetzung zur Überwindung von Armut und das Fundament einer funktionierenden Demokratie. Jedes Jahr bedeutet flächendeckende Bildung zusätzlich für ein Land ein bis zu 18 Prozent höheres Pro-Kopf-Einkommen.

Besonders für Mädchen ist Bildung entscheidend. Der Schulbesuch kann sie davor schützen, in Kinderehen gedrängt oder zu früh schwanger zu werden. Gebildete Mädchen haben später weniger Kinder und können sie besser versorgen.

Unsere Stiftung United Internet for UNICEF setzt sich dafür ein, dass Kinder weltweit Zugang zu Bildung erhalten, um so ihre Chancen auf eine hoffnungsvolle Zukunft zu erhöhen. Viele Projekte benötigen längerfristige Unterstützung. Mit einer dauerhaften Spende unterstützen Sie uns und UNICEF bei ihrer Arbeit für Kinder weltweit.