© UNICEF/UNI658511/AndrianantenainaTessa Page und Christian Schneider
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Stiftungs-Jubiläum: Warum Tessa Page den Fokus auf Kinder im Sudan legt

Seit 20 Jahren gibt es die Stiftung United Internet for UNICEF. Die Vorstandsvorsitzende blickt im Interview zurück auf die Partnerschaft mit UNICEF, spricht über Momente, die sie nachhaltig berührt haben und was derzeit die größten Gefahren sind.

Frau Page, 2006 wurde die Stiftung United Internet for UNICEF gegründet. Was war damals die Idee hinter der Stiftung?

Tessa Page: Die United Internet AG war schon damals ein Unternehmen, das in seinem Bereich eine führende Rolle eingenommen hat. Wenn man wirtschaftlich erfolgreich ist und über die Möglichkeiten verfügt, etwas zu bewegen, dann geht damit auch eine gesellschaftliche Verantwortung einher.

Vor 20 Jahren war dieses Verständnis in Deutschland noch nicht so selbstverständlich, wie es heute vielleicht ist. Soziales Engagement und gesellschaftliche Verantwortung hatten in vielen Unternehmen noch nicht den Stellenwert, den sie inzwischen haben. Wir wollten deshalb auch hier eine Vorreiterrolle einnehmen.

Und wie sollte diese Rolle aussehen?

Wir wollten die Möglichkeiten, die die United Internet AG hat, nutzen, um etwas Gutes zu tun, wo wir wirklich einen Unterschied machen können. Und für mich waren dabei Kinder von Anfang an das Wichtigste. Kinder können nichts dafür, wo und unter welchen Umständen sie geboren werden. Ihnen Chancen zu geben, sie zu schützen und ihnen Bildung, Gesundheit und eine Perspektive zu ermöglichen, war deshalb von Beginn an der Kern unserer Stiftung. Wir wollten nicht einfach nur Geld spenden. Wir wollten die Möglichkeiten und die Reichweite nutzen, um möglichst viele Menschen mitzunehmen und gemeinsam ganz konkret etwas im Leben von Kindern zu verändern.

Wenn Sie heute, 20 Jahre später, auf die Situation von Kindern weltweit schauen: Was hat sich seit der Gründung verändert?

Wenn ich auf die vergangenen 20 Jahre zurückblicke, haben wir unglaublich viel erreicht. Mit inzwischen fast 80 Millionen Euro an Spenden konnten wir gemeinsam mit UNICEF ganz konkret das Leben von Kindern verbessern und auch Leben retten: Mit sauberem Trinkwasser, lebenswichtiger Nahrung und medizinischer Versorgung, aber auch mit Bildung und geschützten Orten für Kinder, die Gewalt, Krieg oder Flucht erlebt haben.

Gleichzeitig ist die Welt nicht einfacher geworden. Kriege und politische Konflikte treffen immer wieder diejenigen am härtesten, die am wenigsten dafür können, nämlich die Kinder. Umso wichtiger ist es, dass wir in unserem Engagement nicht nachlassen und gerade dort helfen, wo Kinder Schutz, Stabilität und eine Perspektive brauchen.

Die Stiftung arbeitet seit ihrer Gründung eng mit UNICEF zusammen. Was schätzen Sie an dieser Partnerschaft besonders?

Die Partnerschaft mit UNICEF ist sehr gut, weil unsere Ziele im Kern dieselben sind: Wir wollen das Leben von Kindern nachhaltig verbessern und ihnen eine Zukunft geben. Ich schätze vor allem die Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten. Sie sind sehr engagiert, professionell und verlässlich und suchen auch in schwierigen Situationen immer nach Lösungen. Es ist über die vielen Jahre ein großes Vertrauen entstanden und für mich persönlich ist genau das die Grundlage einer wirklich guten Partnerschaft.

Zu sehen, wie UNICEF versucht, diesen Kindern Stück für Stück ein Leben, Vertrauen und eine Zukunft zurückzugeben, hat mich tief bewegt.

Tessa Page, Vorstandsvorsitzende United Internte for UNICEF

Sie haben viele Projektländer selbst besucht. Gibt es eine Begegnung oder einen Moment, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Es gibt so viele Begegnungen, die mich tief berührt haben, dass es mir schwerfällt, eine einzige herauszugreifen. Aber eine Begegnung in der Demokratischen Republik Kongo werde ich nie vergessen: Dort habe ich drei ehemalige Kindersoldaten getroffen, zwischen 14 und 17 Jahre alt. Ich erinnere mich vor allem an ihre Augen nach allem, was sie erlebt hatten, war das Leuchten darin fast verschwunden. Zu sehen, wie UNICEF versucht, diesen Kindern Stück für Stück ein Leben, Vertrauen und eine Zukunft zurückzugeben, hat mich tief bewegt.

In 20 Jahren sind beinahe 80 Millionen Euro an Spenden zusammengekommen. Worauf blicken Sie mit besonderer Dankbarkeit zurück?

Mein größter Dank gilt all den Menschen, die uns in den vergangenen 20 Jahren ihr Vertrauen geschenkt haben in den Communitys von 1&1, WEB.DE, GMX und IONOS und natürlich allen Spenderinnen und Spendern unserer Stiftung. Ohne sie wäre all das, was wir erreicht haben, nicht möglich gewesen. Jede einzelne Spende hat dazu beigetragen, das Leben von Kindern zu verändern, manchmal sogar ein Leben zu retten. Dafür bin ich von Herzen dankbar.

Sie beschäftigen sich intensiv mit den Themen, die die Stiftung und UNICEF bewegen. Welches Thema hat Sie zuletzt besonders beschäftigt?

Im Moment liegt mir die Situation der Kinder im Sudan ganz besonders am Herzen. Das Ausmaß des Leids dort ist kaum in Worte zu fassen. Millionen Menschen sind von diesem Krieg betroffen und besonders erschütternd ist, dass Gewalt gegen Frauen und Kinder gezielt als Waffe eingesetzt wird. Was Kinder dort erleben und ertragen müssen, ist unvorstellbar.

Im September werden wir selbst in den Sudan reisen, um uns vor Ort ein Bild zu machen. Mir ist wichtig, unseren Spenderinnen und Spender zeigen zu können, wo ihre Hilfe ankommt und was sie konkret bewirkt. 100 Prozent unserer Spenden gehen an UNICEF und genau dadurch kann jeder gespendete Euro dort helfen, wo er am dringendsten gebraucht wird.

Kriege, Flucht, Armut und die Folgen des Klimawandels treffen Kinder besonders hart. Wo sehen Sie aktuell den größten Handlungsbedarf?

Die Folgen des Klimawandels begegnen uns auf unseren Reisen inzwischen immer häufiger und sehr unmittelbar. Besonders eindrücklich ist für mich das Thema Wasser. In manchen Regionen fehlt es nach langen Dürreperioden an sauberem Trinkwasser und damit oft auch an Nahrung. In anderen Regionen zerstören extreme Regenfälle und Überschwemmungen innerhalb kürzester Zeit ganze Lebensgrundlagen. Und wie so oft sind es die Kinder, die darunter am meisten leiden. Wenn Wasser und Nahrung fehlen, Ernten ausfallen oder Familien ihre Heimat verlieren, sind ihre Gesundheit, ihre Bildung und letztlich ihre gesamte Zukunft gefährdet. Das vor Ort zu sehen, macht die Dimension des Klimawandels sehr real.

Was wünschen Sie sich für die nächsten Jahre der Stiftung? Und was wünschen Sie sich für die Kinder?

Mein größter Wunsch wäre natürlich, dass unsere Hilfe eines Tages weniger notwendig wird. Dass Kinder nicht mehr hungern müssen, nicht vor Kriegen fliehen müssen und dass der Ort, an dem sie geboren werden, nicht darüber entscheidet, welche Chancen sie im Leben haben.

Bis dahin wünsche ich mir, dass wir genauso entschlossen weitermachen wie in den vergangenen 20 Jahren – gemeinsam mit UNICEF und mit all den Menschen, die uns vertrauen und unterstützen. Ich glaube fest daran, dass wir gemeinsam sehr viel verändern können. Und das ist genau unsere wichtigste Verantwortung: Kindern nicht nur in der Not zu helfen, sondern ihnen die Chance zu geben, die Zukunft selbst positiv zu gestalten.