© UNICEF/UN0937356/MohammedGespräch zwischen Tessa Page und Frauen im Gesundheitszentrum
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Ein Ort, an dem Mütter Hilfe finden – und den Krieg kurz vergessen können

Unsere Reise in den Sudan

Wir als Stiftung United Internet waren gemeinsam mit UNICEF im Sudan, um uns selbst ein Bild von der Lage zu machen und zu sehen, wie die Spenden vor Ort eingesetzt werden. Wir haben mit Müttern und Vätern gesprochen, Familien zu Hause besucht und versucht zu verstehen, was ein Krieg mit Kindern macht. Was wir erlebt haben, hat uns tief beeindruckt und berührt. In diesen Reisetagebucheinträgen möchten wir von unseren Begegnungen erzählen.

Im Alwifag-Zentrum in Port Sudan ist bei unserem Besuch einiges los. Eltern warten auf Bänken darauf, aufgerufen zu werden. Kinder rennen umher, spielen miteinander, verstecken sich hinter Säulen. Einige bleiben dicht bei ihren Eltern, sind etwas schüchtern. Junge Frauen in weißen Kitteln eilen von einem Gang in den nächsten. Später erfahren wir, dass sie hier ihre Ausbildung in der Pflege machen und von erfahrenen Ärztinnen, Ärzten, Pflegekräften und Freiwilligen lernen.

Das Zentrum ist ein Gesundheitszentrum – und zugleich ein Ort, an dem Frauen zusammenkommen können und sich weniger allein zu fühlen. Manche bringen ihre Kinder mit, weil sie untersucht oder behandelt werden müssen. Andere kommen auch ohne ihre Kinder, einmal in der Woche, um mit den übrigen Frauen zu sprechen, zu lachen und sich auszutauschen. Einige nehmen dafür den Weg zu Fuß auf sich, andere fahren mit dem Tuk-Tuk oder dem Bus, obwohl sie sich die Fahrt kaum leisten können. Doch die informellen Treffen hier sind ihnen zu wichtig als das sie darauf verzichten würden.

Hilfe, die bei den Kindern ankommt

An sechs Tagen in der Woche ist das Zentrum geöffnet. Nach Angaben der Mitarbeitenden werden hier täglich etwa 65 Kinder untersucht. Nicht alle Eltern kommen wegen einer möglichen Mangelernährung: Manche möchten ihr Kind impfen oder einen Husten abklären lassen. Aber: "Jedes Kind, das hier ankommt, wird auf Mangelernährung untersucht", erklärt Senan Alajel, Ernährungsexperte bei UNICEF Sudan. Denn oftmals ist die Mangelernährung noch in einem frühen Stadium und die Eltern würden sie nicht erkennen. Je früher man diese jedoch entdeckt, desto besser ist es für die Gesundheit der Kinder.

So würden jeden Tag mindestens drei Fälle erkannt, die direkt behandelt werden können. Mangelernährte Kinder erhalten hier therapeutische Zusatznahrung - je nach Schwere ihrer Mangelernährung. Diese besteht aus einer hochkalorischen Erdnusspaste, die mit Vitaminen und Mineralien angereichert ist.

Eine Mutter gibt ihrem Kind therapeutische Nahrung im Sudan

Mangelernährung ist eines der größten Probleme im Sudan. UNICEF unterstützt Mütter wie diese in Zentren, wo die Kinder untersucht und versorgt werden. 

© Carla Magnanimo

Zusätzlich gibt es auch für die Kinder, die noch keine Mangelernährung haben, bereits vorbeugende Päckchen, mit Mineralstoffen und Vitaminen. Prävention, grade in Kriegszeiten, ist in diesem Fall entscheidend. Denn womöglich kann so Schlimmeres verhindert werden.

Auf den Matten am Fußboden mit roten, gelben und schwarzen Blumen und Rauten sitzen Mütter mit ihren Kindern zusammen. Einige Kinder spielen miteinander, andere kuscheln sich eng an ihre Mütter. Ein paar halten Päckchen mit der Zusatznahrung in den Händen. Die Atmosphäre ist friedlich, freundlich, grade zu einladend – auch wenn wir wissen, dass viele der Frauen Schweres erlebt haben.

Was der Krieg an Härte mit sich bringt

Mangelernährung gab es im Sudan bereits vor dem Krieg. Doch seit Beginn der Kämpfe im April 2023 haben Gewalt und Vertreibung die Lage erheblich verschärft. Familien verlieren ihr Zuhause und oft auch ihre Lebensgrundlage. Nahrung ist schwerer zu bekommen; zugleich fehlt vielerorts eine funktionierende Gesundheitsversorgung. UNICEF schätzt, dass 2026 17,3 Millionen Kinder im Sudan humanitäre Hilfe benötigen. Rund 4,2 Millionen Kinder könnten in diesem Jahr akut mangelernährt sein, darunter mehr als 825.000 schwer akut mangelernährte Kinder.

Senan Alajel erzählt uns, dass die Zahl mangelernährter Kinder derzeit steigt. Ein Anstieg im Oktober sei erfahrungsgemäß nicht ungewöhnlich: In der mageren Jahreszeit gehen die Vorräte zur Neige, bevor wieder geerntet werden kann. Zum saisonalen Mangel kommen nun die Folgen des Krieges hinzu.

Einige Frauen im Zentrum sind aus Darfur bis nach Port Sudan geflohen. Für Familien ist schon der Weg an einen sichereren Ort gefährlich; manche müssen ihn mehrfach antreten. Frauen und Mädchen sind dem Risiko sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Auch Jungen und Männer begegnen auf der Flucht schweren Gefahren, zum Beispiel der Zwangsrekrutierung. Immer wieder gibt es auch Berichte über Kinder, die zum Kriegsdienst gezwungen werden. Aus diesem Grund trauen sich viele nicht einmal auf die Flucht. Wer hier ankommt, hat deshalb oft weit mehr hinter sich als eine lange Reise.

Eine Frau erzählt uns von Gewalt, die sie zu Hause erlebt, und von ihrer ständigen Sorge um die Kinder. Andere sprechen über das, was ihnen im Krieg oder auf der Flucht widerfahren ist. Jede hat ihre eigene Geschichte und einen eigenen Grund, hierherzukommen. Neben der medizinischen Versorgung bietet das Zentrum ihnen etwas, das im Alltag zwischen Flucht, Hunger und der Sorge um die Familie leicht verloren geht: Zeit, miteinander zu sprechen, und das Gefühl, nicht allein zu sein. Nicht immer geht es nur um Schweres und die Erinnerungen an schlimme Erlebnisse. Einfach beieinander zu sein und sich Zeit für sich zu nehmen, ist für viele Frauen hier schon hilfreich.

Gruppenbild Pflegeschülerinnen in Port Sudan

"Ich liebe diesen Beruf einfach", sagt die zweite Auszubildende von rechts und strahlt. Die jungen Frauen lernen im Zentrum unter anderem, mangelernährte Kinder zu behandeln.

© Thomas Rebbe

Die jungen Auszubildenden, denen wir bei unserer Ankunft begegnet sind, sind ebenfalls fest mit diesem Ort verbunden. Sie lernen hier, Kinder zu versorgen, und möchten so gut es geht helfen. Ihre Begeisterung für diesen Beruf ist ein Hoffnungsschimmer, der uns noch eine Zeit begleitet. Denn genau das ist es, was der Sudan braucht: eine starke, junge Generation, die dabei helfen kann, das Land wieder aufzubauen.

Gemeinsam mit UNICEF unterstützt unsere Stiftung Projekte wie das Alwifag-Zentrum in Port Sudan, um Kindern zu helfen, gesund zu werden und Familien zu unterstützen.

Autor: Carla Giuseppina Magnanimo

Online Editor
Stiftung United Internet for UNICEF