WELTTAG GEGEN KINDERARBEIT
Mittwoch, 10. Juni 2020, 16:55 Uhr
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Ein junges Mädchen arbeitet in Bagdad auf eine Müllhalde. Sie sammelt Büchsen und Plastikverpackungen, die sie später weiter verkauft.
© UNICEF

Kinderarbeit raubt Kindern ihre Kindheit und zerstört ihre Zukunftschancen. Trotzdem müssen immer noch 152 Millionen Mädchen und Jungen – fast jedes zehnte Kind auf der Welt – arbeiten, um zum Überleben ihrer Familien beizutragen. Fast die Hälfte von ihnen leidet unter Arbeitsbedingungen, die gefährlich oder ausbeuterisch sind.

"Es reicht nicht, Kinderarbeit zu verurteilen und zu verbieten", sagt Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. "Um Kinder wirksam vor Ausbeutung zu schützen, müssen sich die Lebensbedingungen der betroffenen Kinder ändern: Erstens müssen Kinder, die gezwungen sind zu arbeiten, aus ihrer Lage befreit werden.

Zweitens sind mehr Investitionen in Bildung, aber auch in faire Arbeitsmöglichkeiten für Eltern sowie in Gesundheits- und soziale Sicherungssysteme nötig. Neben den Regierungen tragen deshalb auch Unternehmen eine große gesellschaftliche Verantwortung, die über ein striktes Verbot von Kinderarbeit in ihrer globalen Lieferkette weit hinausgeht."

TRENDS BEI KINDERARBEIT

Die gute Nachricht ist: Immer weniger Kinder müssen arbeiten. Im Vergleich zu 2000 ist die Zahl der Kinderarbeiter stark gesunken (von 246 Millionen auf 152 Millionen), aber der Rückgang ist in den letzten Jahren langsamer geworden. Wenn der Fortschritt im aktuellen Tempo weitergeht, werden auch im Jahr 2025 noch 121 Millionen Mädchen und Jungen von Kinderarbeit betroffen sein – bis dahin soll im Einklang mit den nachhaltigen Entwicklungszielen Kinderarbeit möglichst überwunden sein. Außerdem gibt es große regionale Unterschiede.

Besonders deutlich gesunken ist die Zahl der Kinderarbeiter in der Region Asien und Pazifik, aber auch in Lateinamerika nimmt Kinderarbeit ab. In Subsahara-Afrika hingegen scheint Kinderarbeit in den letzten Jahren wieder zugenommen zu haben. Ein Grund hierfür sind generell die schleppende wirtschaftliche Entwicklung in einigen Ländern, aber auch eine wachsende Zahl an bewaffneten Konflikten und Naturkatastrophen. Denn in Zeiten von Vertreibung und Not steigt die Gefahr, dass Kinder arbeiten müssen anstatt zur Schule zu gehen. 

Auch im Nahen Osten beobachten UNICEF-Mitarbeiter mit Sorge, dass in Folge der Konflikte in Syrien und Irak sowohl die Zahl der Kinderehen als auch die Zahl der Kinderarbeiter unter den Flüchtlingen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. Im jordanischen Za’atari Camp für syrische Flüchtlinge zum Beispiel sieht man viele Jungen, die mit ihren Schubkarren Gegenstände transportieren, Waren verkaufen oder in Restaurants arbeiten – viele von ihnen sind erst zehn Jahre alt.

Durch die Covid-19-Pandemie könnte die Zahl der arbeitenden Kinder weltweit wieder ansteigen. Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Gesundheitskrise bedeuten für viele Familien rund um den Globus den Verlust ihrer Existenzgrundlage.

Laut Schätzungen von Save the Children und UNICEF könnte die Zahl der Kinder in von Armut betroffenen Haushalten weltweit in Folge der Covid-19-Pandemie bis Ende 2020 um 86 Millionen Kinder ansteigen. Durch den finanziellen Druck könnten Millionen Kinder in Kinderarbeit gedrängt werden. 

Außerdem ist zu befürchten, dass sich die Situation für Kinder, die bereits arbeiten, weiter verschlechtert, weil sie beispielsweise mehr oder unter noch schwierigeren oder schädlicheren Bedingungen als zuvor arbeiten müssen. Auch die weltweiten Schulschließungen und fehlende Fernlernangebote in vielen Ländern könnten Kinderarbeit befördern.

DEFINITION KINDERARBEIT

Als Kinderarbeit gelten Arbeiten, für die Kinder zu jung sind, die gefährlich oder ausbeuterisch sind, die körperliche oder seelische Entwicklung schädigen oder die Mädchen und Jungen vom Schulbesuch abhalten. Sie beraubt Kinder ihrer Kindheit und verstößt gegen die weltweit gültigen Kinderrechte.

Zu den "schlimmsten Formen der Kinderarbeit" zählen die Vereinten Nationen Sklaverei, Zwangsarbeit, der Einsatz von Kindersoldaten, Kinderprostitution und Kinderpornographie, kriminelle Tätigkeiten wie den Missbrauch von Kindern als Drogenkuriere sowie andere Formen der Arbeit, die die Sicherheit und Gesundheit der Kinder gefährden können. Fast alle Staaten der Welt haben beschlossen, alle Formen der Kinderarbeit bis zum Jahr 2025 vollständig abzuschaffen.

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