WEIBLICHE GENITALVERSTÜMMELUNG: "GEMEINSAM SIND WIR STÄRKER"

6. Februar 2018 1 Kommentar

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Als Aicha 13 war, schrieb sie ein Lied gegen den Brauch der weiblichen Genitalverstümmelung.
© UNICEF

Mindestens 200 Millionen Mädchen und Frauen sind von der weiblichen Genitalverstümmelung in weltweit 30 Ländern betroffen. Die Hälfte der Mädchen lebt dabei in nur drei Ländern: Indonesien, Ägypten und Äthiopien. 44 Millionen sind bei der Beschneidung unter 15 Jahre alt. Die Vereinten Nationen haben sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2030 soll die weibliche Genitalverstümmelung in allen Ländern der Vergangenheit angehören.

Aicha, 21, sieht aus, als wäre sie direkt vom Cover eines Magazins gestiegen. Jung, gutaussehend, selbstsicher. Dunkle Mandelaugen passen zu ihrer nachdenklichen Natur. Als sie 13 war, schrieb sie ein Lied gegen den Brauch der weiblichen Genitalverstümmelung. Nicht der übliche Song, den sich Teenager anhören, geschweige denn schreiben. 

In Djibouti ist es nicht leicht, offen über weibliche Genitalverstümmelung zu sprechen. "In meiner Kultur ist es schon beschämend ein Mädchen zu sein und öffentlich zu singen", erklärt Aicha. "Und dann auch noch über weibliche Genitalverstümmelung?" 

Aicha gehört zu einer neuen Generation, die bald Mutter sein wird und sie kann sich dafür entscheiden, dass ihre Tochter einmal nicht beschnitten wird. "Ich bin mit meiner Mutter schon von Tür zu Tür gegangen", erklärt sie. "Um die Menschen davon zu überzeugen, ihre Mädchen unversehrt zu lassen." 

Fatouma Ali with Aicha and baby

Fatouma Ali mit Aicha und Baby.
© UNICEF

Aichas Mutter, Fatouma Ali, gehört in ihrer Gemeinde zu den führenden Gegnern der weiblichen Genitalverstümmelung. Früher übte sie diese Praxis selbst aus, wurde aber vor neun Jahren zu einem Workshop eingeladen. Dieser wurde von der Nicht-Regierungsorganisation Tostan, unterstützt von United Internet for UNICEF und dem Ministerium für Frauen und Familien, organisiert.

Die Tür-zu-Tür-Kampagne war Teil einer nationalen Strategie, um weibliche Genitalverstümmelung zu beenden. Gemeindegruppen wurden eingerichtet, um Themen anzusprechen, die alle gesellschaftlichen Ebenen verbinden. Dazu gehörten gesundheitliche Probleme für Mädchen und der Schutz von Kindern vor Gewalt. 

Aber sie sprachen auch über Projektmanagement, Lösen von Konflikten, Hygiene, Umwelt, die Rechte von Kindern und Menschen. Weibliche Genitalverstümmelung hatte mit all diesen Themen Berührungspunkte. Und so wuchs die Bewegung. 

DIE TRADITION IST TIEF VERANKERT 

Obwohl bereits vor über 20 Jahren ein Gesetz verabschiedet wurde, das weibliche Genitalverstümmelung verbietet, machte die Bewegung, die der Tradition ein Ende setzten wollte, eher langsame Fortschritte.

Eine Generation später sieht dies schon anders aus. Aicha hörte, lernte und verstand seit sie 13 war ihre Rechte als Mädchen. "Weibliche Genitalverstümmelung ist ein Thema der Menschenreche", sagt sie. "Es ist geschlechtsbasierte Gewalt gegen Mädchen. Eine wichtige Angelegenheit." 

Aichas Leidenschaft für das Thema und ihre Kämpfernatur sorgten dafür, dass sie an einem Wettbewerb mit dem Aufhänger weibliche Genitalverstümmelung teilnahm. Ihr Lied gewann, wurde in einem Studio aufgenommen und national im Radio gespielt. 

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Aicha kämpft gegen Beschneidung. 
© UNICEF

MUSIK MACHT KOMMUNIKATION LEICHTER

"Manchmal, wenn du über etwas in einem Song sprichst, kann es Menschen die Erlaubnis geben, darüber eine Diskussion anzufangen", erklärt Aicha. "Ansonsten würde niemand darüber reden wollen." 

Aicha selbst wurde eine Woche nach ihrer Geburt beschnitten - lange bevor ihre Mutter sich gegen weibliche Genitalverstümmelung einsetzte. "Aber gerade, weil ich es selbst erlebt habe, damit lebe und die Schmerzen kenne, kann ich mit den Mädchen darüber reden. Sie wissen, dass ich es verstehe, dass ich darüber erzählen kann. 

Gemeinsam mit ihrer Mutter kämpft sie dafür, die Praxis zu beenden. Für sich selbst und für Tausende andere Frauen aus Djibouti, die unter Infektionen, Schmerzen und Komplikationen leiden mussten, können sie es nicht rückgängig machen. 

JUNGE MENSCHEN MÜSSEN BETEILIGT WERDEN

Aber sie können für die vielen jungen Mädchen etwas bewegen: "Es ist so wichtig, junge Menschen zu beteiligen", sagt Aicha. "Gemeinsam sind wir stark. Wir können entscheiden, ob wir beschnitten werden wollen oder nicht." 

Noch immer sind die Linien zwischen Tradition und Religion in vielen Bereichen der Gesellschaft unklar. Mit der landesweiten Unterstützung von Religionsführern wird die Entscheidung gegen die Beschneidung jedoch bedeutend wahrscheinlicher. 

In den letzten zwei Jahren haben 51 Gemeinden erklärt, dass sie die weibliche Genitalverstümmelung nicht mehr durchführen werden. Seither ist dieses Schicksal 798 Mädchen erspart geblieben. 

Die Stiftung United Internet for UNICEF unterstützt die Initiativen der Vereinten Nationen, um die Rechte von Mädchen weltweit zu stärken, Schäden künftig zu vermeiden und die unnötige Tradition zu beenden.     

KOMMENTARE

  • 08. Mai 2017 13:01 Uhr

    Guten Tag Frau Stocker,

    es tut gut zu lesen, dass sich Organisationen wie Ihre für ein weltweites Ende der Genitalverstümmelungspraxis einsetzen!! Der Begriff Beschneidung ist bei Mädchen geradezu verharmlosend und, wie ich finde, in der Folge noch mehr demütigend. Gar einwöchige weibliche Säuglinge, aber auch Mädchen oder erwachsene Frauen in dieser Weise für ihr gesamtes Leben massiv zu entstellen und derart zu quälen mit all den fürchterlichen Folgen MUSS AUFHÖREN!!!!!!!!! Was all die Mädchen und Frauen dieser Welt zu ertragen haben lässt sich mit Worten nicht ermessen!!!!!!!! Keine Religion, keine Tradition, kein sexueller Besitzanspruch oder was auch immer, darf als fadenscheinige Grundlage für derartige Verstümmelungen gelten!!! ES IST SCHON LANGE ZEIT FÜR ACHTUNG VOR ALLEM WEIBLICHEM!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Die größte Bestie auf diesem Planeten ist der Mensch. Ich wünsche mir, dass Ihre Kampagne noch deutlicher auf all diese Dinge und Hintergründe zu sprechen kommt und Sie keine Ruhe geben, bevor das Ziel, diese Praxis auszurotten, nicht erreicht ist!!!!!!!

    Ich verbleibe mit allerbestem Dank für Ihr Engagement.

    Pia Dollinger

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