REKRUTIERUNG UND EINSATZ VON KINDERN NOCH IMMER KEIN TABU
Donnerstag, 10. Februar 2022, 10:48 Uhr
von Susanne Stocker | 0 Kommentare

Südsudan, Demokratische Republik Kongo, Afghanistan - Kindersoldaten gibt es in vielen Ländern. Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit bis zu 250.000 Mädchen und Jungen rekrutiert sind. Und das sowohl von Regierungsarmeen als auch von bewaffneten Gruppen. UNICEF gelingt es gemeinsam mit seinen Partnern immer wieder, Kindersoldaten zu befreien. Doch damit ist die Aufgabe noch lange nicht zu Ende. Der Welttag gegen den Einsatz von Kindersoldaten und Kindersoldatinnen am 12. Februar macht auf die schweren Kinderrechtsverletzungen aufmerksam.

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Matthew wurde zwei Jahre als Kindersoldat gefangen gehalten. Die Arbeit in der Landwirtschaft unterstützt ihn seit seiner Rückkehr.
© UNICEF

Obwohl der Einsatz von Kindersoldaten in den meisten Ländern verboten ist, sind laut UNICEF weltweit nach wie vor Zehntausende Mädchen und Jungen in Konfliktregionen in den Reihen von Streitkräften und bewaffneten Gruppen.

Sie sind noch Kinder und dennoch wurden sie bereits gezwungen zu kämpfen oder zu töten. Sie sind Zeugen von Gewalt und begehen selbst Gewalttaten. Sie werden nicht nur zum Kämpfen benutzt, sondern zum Beispiel auch als Späher, zum Kochen oder werden sexuell missbraucht.

DUNKELZIFFER WAHRSCHEINLICH WEIT HÖHER

UNICEF geht davon aus, dass weltweit Zehntausende Kinder von bewaffneten Gruppen für ihre Zwecke missbraucht werden. Seit der Einführung des sogenannten "Monitoring and Reporting Mechanism", einer geregelten Untersuchung und Dokumentation von schweren Kinderrechtsverletzungen in Konflikten, haben die Vereinten Nationen in den vergangenen 16 Jahren rund 93.000 Fälle von Kindern verifiziert, die von bewaffneten Gruppen zum Kämpfen oder für unterstützende Rollen missbraucht wurden. Die Dunkelziffer ist aber mit Sicherheit sehr viel höher, weil es im Krieg häufig nicht möglich ist, an gesicherte Informationen zu kommen.

Besonders schreckliche Auswirkungen auf Mädchen und Jungen haben aktuell die Konflikte in Afghanistan, Jemen, der Demokratischen Republik Kongo, Somalia und Syrien. Die meisten Kindersoldaten und Kindersoldatinnen wurden laut dem UN-Report 2020 nachweislich in Somalia, Syrien, Myanmar, in der Demokratischen Republik Kongo, in der Zentralafrikanische Republik, in Mali, Afghanistan, Jemen, Kolumbien und im Südsudan rekrutiert und eingesetzt.

Aber es gibt auch Lichtblicke: So konnten laut dem aktuellen UN-Jahresbericht im Jahr 2020 durch Vermittlung der Vereinten Nationen 12.643 Kinder aus bewaffneten Gruppen befreit werden.  UNICEF schätzt, dass seit 2000 mindestens 170.000 Kindersoldaten und Kindersoldatinnen befreit wurden.

DER WEG ZURÜCK IN EIN NORMALES LEBEN IST SCHWER

Einige Kinder waren jahrelang in Kämpfe verwickelt und leiden an physischen, sozialen und psychologischen Problemen. Viele haben mit posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) zu kämpfen und leiden an Symptomen wie Schlaflosigkeit, Albträumen, Wut und negativen Stimmungen.

Die Reintegration der Kinder in ihre Familien und Gemeinden kann ein langer und herausfordernder Prozess sein. In manchen Fällen werden sie in ihren Familien und Dörfern als Mörder angesehen und können nur langsam wieder in die Gesellschaft integriert werden.

Viele Kinder waren nie in der Schule und haben nicht einmal grundlegendes Wissen in Lesen, Schreiben und Rechnen. Das hohe Armutsniveau ist beispielsweise im Südsudan einer der Hauptgründe dafür, dass sich Kinder wieder den bewaffneten Gruppen anschließen.

UNICEF HILFT MIT MEHRSTUFIGEN PROGRAMMEN

Im Rahmen des von UNICEF unterstützten Reintegrationsprogramms im Südsudan werden Kinder nach ihrer Befreiung drei Jahre lang von einer Sozialarbeiterin oder einem Sozialarbeiter begleitet und bei der Verarbeitung der schwierigen Erlebnisse und beim Wiederaufbau ihres Lebens und einer Zukunft unterstützt.

Doch die Hilfsprogramme sind unterfinanziert. Im Südsudan, wo die Zahl der Kinder, die in bewaffneten Konflikten eingesetzt werden, sehr hoch ist, gibt es nur drei Psychiater, 23 Psychologen und eine psychiatrische Einrichtung mit begrenzter Aufnahmemöglichkeit. Die Stiftung United Internet for UNICEF unterstützt UNICEF dabei, Kindern in Konflikt- und Kriegsgebieten ihre Kindheit zurückzugeben und Kindersoldaten und Kindersoldatinnen zu befreien.

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