REKRUTIERUNG UND EINSATZ VON KINDERN NOCH IMMER KEIN TABU
Freitag, 12. Februar 2021, 14:20 Uhr
von Susanne Stocker | 0 Kommentare

Südsudan, Demokratische Republik Kongo, Afghanistan - Kindersoldaten gibt es in vielen Ländern. Schätzungen gehen davon aus, dass derzeit weltweit bis zu 250.000 Mädchen und Jungen rekrutiert sind. Und das sowohl von Regierungsarmeen als auch von bewaffneten Gruppen. UNICEF gelingt es gemeinsam mit seinen Partnern immer wieder, Kindersoldaten zu befreien. Doch damit ist die Aufgabe noch lange nicht zu Ende. Der Welttag gegen den Einsatz von Kindersoldaten und Kindersoldatinnen am 12. Februar macht auf die schweren Kinderrechtsverletzungen aufmerksam.

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Matthew wurde zwei Jahre als Kindersoldat gefangen gehalten. Die Arbeit in der Landwirtschaft unterstützt ihn seit seiner Rückkehr.
© UNICEF

Obwohl der Einsatz von Kindersoldaten in den meisten Ländern verboten ist, sind laut UNICEF weltweit nach wie vor Zehntausende Mädchen und Jungen in Konfliktregionen in den Reihen von Streitkräften und bewaffneten Gruppen.

Besonders viele Mädchen und Jungen werden von verschiedenen Konfliktparteien in den langwierigen Konflikten im Südsudan, in der Zentralafrikanischen Republik, in der Demokratischen Republik Kongo, in Somalia, in Syrien und im Jemen für ihre Zwecke missbraucht. Auch in Afghanistan, Mali oder Myanmar werden Mädchen und Jungen als Kindersoldaten oder Helfer von bewaffneten Gruppen eingesetzt.

Sie sind noch Kinder und dennoch wurden sie bereits gezwungen zu kämpfen oder zu töten. Sie sind Zeugen von Gewalt und begehen selbst Gewalttaten. Sie werden nicht nur zum Kämpfen benutzt, sondern zum Beispiel auch als Späher, zum Kochen oder werden sexuell missbraucht.

DER WEG ZURÜCK IN EIN NORMALES LEBEN IST SCHWER

Einige Kinder waren jahrelang in Kämpfe verwickelt und leiden an physischen, sozialen und psychologischen Problemen. Viele haben mit posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) zu kämpfen und leiden an Symptomen wie Schlaflosigkeit, Albträumen, Wut und negativen Stimmungen.

Die Reintegration der Kinder in ihre Familien und Gemeinden kann ein langer und herausfordernder Prozess sein. In manchen Fällen werden sie in ihren Familien und Dörfern als Mörder angesehen und können nur langsam wieder in die Gesellschaft integriert werden.

Viele Kinder waren nie in der Schule und haben nicht einmal grundlegendes Wissen in Lesen, Schreiben und Rechnen. Das hohe Armutsniveau ist beispielsweise im Südsudan einer der Hauptgründe dafür, dass sich Kinder wieder den bewaffneten Gruppen anschließen.

UNICEF HILFT MIT MEHRSTUFIGEN PROGRAMMEN

Im Rahmen des von UNICEF unterstützten Reintegrationsprogramms im Südsudan werden Kinder nach ihrer Befreiung drei Jahre lang von einer Sozialarbeiterin oder einem Sozialarbeiter begleitet und bei der Verarbeitung der schwierigen Erlebnisse und beim Wiederaufbau ihres Lebens und einer Zukunft unterstützt.

Doch die Hilfsprogramme sind unterfinanziert. Im Südsudan, wo die Zahl der Kinder, die in bewaffneten Konflikten eingesetzt werden, sehr hoch ist, gibt es nur drei Psychiater, 23 Psychologen und eine psychiatrische Einrichtung mit begrenzter Aufnahmemöglichkeit. Durch die Schulschließungen in Folge der Corona-Pandemie ist eine weitere wichtige Instanz zur psychologischen Unterstützung weggebrochen. Dies verschlimmert eine ohnehin schon schwierige Situation noch weiter. Im letzten Jahr war das Programm zu 73 Prozent unterfinanziert. Die Stiftung United Internet for UNICEF unterstützt UNICEF dabei, Kindern in Konflikt- und Kriegsgebieten ihre Kindheit zurückzugeben und Kindersoldaten zu befreien.

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