TROTZ VERBOT: KINDER WEITER WELTWEIT ALS SOLDATEN MISSBRAUCHT

Montag, 11. Februar 2019, 00:00 Uhr von Tessa Page 0 Kommentare
UN0158696

UNICEF-Mitarbeiter Matthew Dechristofano betreut einen Kindersoldaten im Südsudan, der auf die Entlassung aus seine militärischen Gruppe wartet.
© UNICEF/UN0158696/Prinsloo

Jedes Jahr am 12. Februar findet der "Red Hand Day" statt. Er macht auf das Schicksal von Kindersoldaten aufmerksam. Seit dem 12.02.2002 ist es durch das Zusatzprotokoll der UN-Kinderrechtskonvention verboten, Kinder als Soldaten einzusetzen.

Bis heute sind ihm über 150 Regierungen beigetreten. Das Abkommen hat weltweit Diskussionen angestoßen und Gesetzesänderungen bewirkt. Es hat dazu beigetragen, dass der Einsatz von Kindersoldaten international als Kriegsverbrechen geächtet ist und verantwortliche Militärs erstmals vor dem Internationalen Strafgerichtshof angeklagt werden können.

WAS SIND KINDERSOLDATEN?

Die UN-Kinderrechtskonvention bezeichnet alle Kriegsteilnehmer unter 15 Jahren als Kindersoldaten

Kinder sind leichte Beute und flexibel missbrauchbare Waffen: Sie können einfacher manipuliert werden und befolgen Befehle eher als Erwachsene. Häufig setzen Armeen sie als Vorhut, Spione, Attentäter oder Minensucher ein, da sie als weniger wertvolle Kämpfer angesehen werden. Das erhöht die Gefahr einer Verwundung oder sogar des Todes um ein Vielfaches.

Keinesfalls müssen sich nur Jungen diesem Risiko aussetzen: Geschätzt ein Drittel der Kindersoldaten sind Mädchen. Die Lebensbedingungen und Aufgaben ähneln sich, allerdings kommt gerade bei den Mädchen häufig der Faktor der sexuellen Gewalt oder auch Zwangsehen hinzu.

WAS FORDERT UNICEF MIT SEINEN PARTNERN? 

UNICEF fordert verstärkte Anstrengungen zur Demobilisierung und Wiedereingliederung von Kindersoldaten. Nach Schätzungen von UNICEF dienen weltweit immer noch bis zu 250.000 Kinder und Jugendliche in bewaffneten Gruppen.

"Das Zusatzprotokoll bedeutet einen wichtigen Fortschritt für den Schutz von Kindern in Krisengebieten. Doch wir müssen weiter den Druck auf die Konfliktparteien verstärken und die sozialen und politischen Ursachen des Missbrauchs von Kindern als Soldaten bekämpfen", erklärt Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland.

UNICEF unterstützt die Umsetzung des Abkommens gemeinsam mit vielen anderen Organisationen. So gab es in den vergangenen Jahren in zahlreichen Ländern Verhandlungen zwischen Regierungen, Vereinten Nationen und Milizen.

Mit Unterstützung von UNICEF konnten in den letzten zehn Jahren rund 65.000 Kinder und Jugendliche befreit werden – zum Beispiel im Tschad, im Südsudan, in der Demokratischen Republik Kongo und in Nigeria. Diese Programme erreichen aber bisher nur einen Teil der betroffenen Kinder.

Kinder im Kreuzfeuer

7. Februar 2018: 300 Mädchen und Jungen werden in Yambio im Südsudan aus dem Kriegsdienst entlassen.
© UNICEF/UN0158694/Prinsloo

KINDERSOLDATEN: OPFER UND TÄTER ZUGLEICH

Neben medizinischer und psychologischer Hilfe sind Schul- und Ausbildungsprogramme für ehemalige Kindersoldaten besonders wichtig. Ihre Familien und Dörfer müssen darauf vorbereitet werden, sie wieder aufzunehmen. Nur wenn es gelingt, ehemaligen Kindersoldaten Alternativen zu geben, kann ihre erneute Rekrutierung verhindert werden.

Der UN-Sicherheitsrat veröffentlicht jedes Jahr eine Liste der Armeen und bewaffneten Gruppen, die Minderjährige in ihren Reihen haben. Derzeit stehen 50 auf dieser Liste, in 20 Ländern beziehungsweise Konfliktsituationen werden schwerste Menschenrechtsverletzungen gegen Kinder begangen – dazu gehören die Rekrutierung von Kindersoldaten, aber auch die Tötung und Verstümmelung von Kindern oder Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser.

WO GIBT ES DERZEIT KINDERSOLDATEN?

Besonders viele Mädchen und Jungen werden von verschiedenen Konfliktparteien in den langwierigen Konflikten im Südsudan, in der Zentralafrikanischen Republik, in der Demokratischen Republik Kongo, in Somalia, in Syrien und im Jemen für ihre Zwecke missbraucht. Auch in Afghanistan, Mali oder Myanmar werden Mädchen und Jungen als Kindersoldaten oder Helfer von bewaffneten Gruppen eingesetzt.

UNICEF setzt sich auch politisch dafür ein, eine Schwachstelle des Zusatzprotokolls zu schließen: Es erlaubt immer noch den Militärdienst für Jugendliche über 15 Jahre, solange sie nicht in Kampfeinsätze geschickt werden. Die Unterzeichnerstaaten sollen sich freiwillig dazu verpflichten, das Mindestalter für den Soldatendienst auf 18 Jahre festzulegen. Auch die Bundeswehr nimmt bis heute 17-jährige Freiwillige auf.

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