DIE FOLGEN VON EL NIÑO: MILLIONEN KINDERLEBEN SIND BEDROHT

Mittwoch, 20. Juli 2016, 15:29 Uhr von Tessa Page 0 Kommentare
Aufmacherbild_Malawi_Reise

Das Klimaphänomen El Niño ist verantwortlich dafür, dass Millionen Menschen in Afrika unter Hunger, verseuchtem Wasser und Krankheiten leiden.
© UNICEF

26,5 Millionen Kinder leiden in Afrika unter Hunger, Wassermangel und Krankheiten. Grund dafür ist eine verheerende Wetterkatastrophe. Insgesamt sind über 50 Millionen Menschen betroffen. Tessa Page ist nach Malawi gereist, um sich die Situation vor Ort anzusehen.

Im östlichen und südlichen Afrika herrscht eine schreckliche Notlage: Millionen von Menschen sind aufgrund des Klimaphänomens El Niño von schwerer Unterernährung, verseuchtem Wasser und Krankheiten bedroht. Es ist die entsetzlichste Naturkatastrophe in diesen Bereichen von Afrika seit 35 Jahren – mit verheerenden Folgen.

Ich bin nach Malawi gereist, um mir ein Bild von der Situation vor Ort zu machen. Mit Schrecken habe ich die Lage wahrgenommen. Selten habe ich ein solch akutes Leiden gesehen. Eines der ärmsten Länder der Welt ist am Ende.

Knapp 80 Prozent der Bevölkerung ist abhängig von kleinbäuerlicher Landwirtschaft - doch die Ernte ist aufgrund von Überschwemmungen und anschließender Dürre komplett ruiniert. Die Menschen sind am Verhungern. Sie suchen verzweifelt nach etwas Essbaren und sind auf Flusspflanzenwurzeln in krokodilverseuchten Gewässern oder auf das Verzehren von Mäusen und Singvögeln angewiesen. Die meisten der betroffenen Kinder gehen nicht mehr zur Schule, weil sie zu schwach sind oder ihren Familien helfen müssen.

Inlinebild5_Malawi

Tessa Page, Vorstandsvorsitzende der Stiftung United Internet for UNICEF, zu Besuch in Malawi.
© UNICEF

Krankheiten breiten sich rasch aus

Masern, Malaria, Cholera und Durchfallerkrankungen breiten sich unter solchen Bedingungen rasch aus. Verheerend sind auch die Langzeitfolgen für Kinder. Unterernährung beeinflusst nicht nur die körperliche Gesundheit, sondern auch die kognitive Fähigkeit zu lernen. Diese Schäden sind irreversibel. Und nun ist über die Hälfte der Bevölkerung betroffen – die Mehrheit davon Kinder.

Weil Familien sehr wenig oder überhaupt keine Nahrung haben, greifen sie zu extremen Mitteln. Viele verlassen ihre Familie und suchen Arbeit in anderen Ländern. Oder sie lassen ihre kleinen Kinder unbeaufsichtigt zu Hause, während sie verzweifelt nach Nahrung suchen. Junge Mädchen werden zu Kinderehen gezwungen, um die Haushalte zu entlasten, oder in die Prostitution gelockt. Das sind nur einige Auswirkungen der Katastrophe.

Ich habe während meiner Reise in das Krisengebiet mit vielen Müttern und Kindern gesprochen. Vor Ort habe ich mich von der UNICEF-Arbeit überzeugt, die wir gemeinsam mit Ihnen fördern, und war zutiefst beeindruckt. Die Programme sind so sehr erfolgreich – auf ganz unterschiedliche Weise. Einige Beispiele möchte ich gerne mit Ihnen teilen.

Inlinebild1_Malawi

© UNICEF

Ambulante Therapieprogramme für Kinder

 Das ist Negelesi Aliando (31) aus Billiat, ein Dorf im Süden von Malawi. Ihre beiden Söhne Samuel (3) und Thandizo (2) leiden an Unterernährung. "Ich habe in der Landwirtschaft gearbeitet und meine Familie war glücklich", sagt die Mutter von sechs Kindern. "Im Januar letzten Jahres wurde meine Ernte durch Überflutungen und Dürre ausgelöscht. Wir haben nichts mehr zu essen, wir verhungern."

Samuel wurde vor einem Monat in ein UNICEF-Gesundheitszentrum in Ndakwera eingeliefert und erhält seitdem ein ambulantes Therapieprogramm. UNICEF überwacht das Gewicht und die Größe von unterernährten Kindern wie Samuel und leistet lebensrettende Hilfe. Sein jüngerer Bruder Thandizo ist mäßig unterernährt und wird mit einem mit Maismehl angereichertem Brei aufgepäppelt.

Negelesi erzählt mir außerdem, dass ihre Kinder an Durchfall litten und erst der Gesundheitsmitarbeiter ihr erklärte, dass dies Folgen der Unterernährung sei. Er gab den Kindern Medikamente und lebensrettende Erdnusspaste, die zur Behandlung von akuter Unterernährung bei Kindern unter fünf Jahren eingesetzt wird.

Inlinebild2_Malawi

Negelesi Aliando mit ihren Kindern.
© UNICEF

Inlinebild3_Malawi

Nahrhafte Erdnusspaste päppelt unterernährte Kinder wie Samuel auf.
© UNICEF

Inlinebild4_Malawi

Tessa Page lässt sich das ehemalige fruchtbare Feld zeigen.
© UNICEF

In dem Bezirk von Balaka zeigt mir eine Mutter von vier Kindern das ausgetrocknete Feld, auf dem sie früher Sorghum, eine Art Hirse, geerntet hat. Heute ist davon nichts mehr übrig. Auch sie besucht das UNICEF-Gesundheitszentrum regelmäßig mit ihren Kindern.

Inlinebild6_Malawi

© UNICEF

Jenifer Gerald kämpft für ihre Kinder

Ich habe auch Jenifer Gerald besucht. "Ich habe keine Nahrung mehr, die ich meinen Kindern geben kann", erzählt sie mir. Als sie schwanger war, verließ sie ihr Ehemann unter dem Vorwand nach Nahrung im benachbarten Mosambik zu suchen. Doch bis heute kehrte er nicht zurück. Jetzt versucht Jenifer sich und ihre vier Kinder am Leben zu halten.

Für ihre Kinder tut sie alles, was in ihrer Macht steht. Zwei ihrer Kinder können sogar noch in die Schule gehen. Ihre älteste Tochter Rosa musste sie jedoch schweren Herzens aus der Schule nehmen, damit die Zehnjährige ihre Familie unterstützen kann.

"Obwohl ich weiß, dass es wichtig ist zur Schule zu gehen, kann ich die Familie nicht alleine am Leben halten. Rosa muss mithelfen, Schule ist vorerst vorbei", sagt Jenifer betroffen. "Ich backe Scones und verkaufe sie auf dem Markt. Anschließend mache ich die Hausarbeit, während meine Mutter Gelegenheitsarbeiten sucht", erzählt mir Rosa traurig. "Es schmerzt, aber die meisten meiner Freunde teilen das gleiche Schicksal - wegen der Hungersnot." Eine weitere Folge von Notsituationen, bei denen eine Verbesserung nicht in Sicht ist: Die Kinderarbeit nimmt drastisch zu.

Inlinebild7_Malawi

Rosa backt Scones und verkauft sie auf dem Markt.
© UNICEF

Wurzeln als einziges Nahrungsmittel

Nachdem alle Ressourcen vollkommen erschöpft sind, wird nach Wurzeln von Wasserlilien in Flüssen getaucht, die vor Krokodilen nur so wimmeln. Die bitter schmeckende Wurzel hat – außer etwas Stärke – nicht sehr viele Nährwerte. Aber sie hält viele Menschen am Leben.

Inlinebild8_Malawi

Kleine Wurzeln sind oft die einzige Nahrung, die die Menschen zu essen haben.
© UNICEF

Wie zum Beispiel Konja (12 Monate alt) und ihre Großmutter Jolita. Jolita kocht die kugelförmigen Wurzeln in Wasser. Konja ist akut unterernährt und sehr schwach. Außer einem Brei aus diesen Wurzeln bekommt sie nichts zu essen. Mit Hilfe von UNICEF wurde Konja ins Gesundheitszentrum Dolo gebracht. Dort untersucht man regelmäßig ihren Zustand und versorgt sie mit lebensrettender Spezialnahrung.

Inlinebild9_Malawi

Die kleine Konja wird regelmäßig von UNICEF-Gesundheitshelfern untersucht.
© UNICEF

Social Cash Transfer Programme

In Malawi unterstützt UNICEF ein öffentliches Programm für extrem arme und benachteiligte Bevölkerungsgruppen. Die sogenannten Social Cash Transfer Programme (SCTP), auch "Mtukula Pakhomo" genannt (zu Deutsch: "Unterstützt den Haushalt"), kommen extrem armen Haushalten zu Hilfe, deren Mitglieder aufgrund von Alter, chronischer Krankheit, körperlicher Einschränkung oder einer sehr hohen Anzahl von unterhaltsberechtigten Angehörigen keiner einkommensschaffenden Tätigkeit nachgehen können.

Inlinebild10_Malawi

Sogenannte Social Cash Transfer Programme unterstützen die ärmsten Haushalte.
© UNICEF

Monatlich bekommen diese Haushalte etwa 6 US-Dollar. Was zunächst wenig klingt, hat in den letzten Jahren bereits enorme positive Auswirkungen gezeigt:

  • Reduzierung der Armut
  • Zugang zu Grundschulbildung
  • Sicherstellung der Versorgung mit Nahrung

Da die Unterstützung durch Bargeld auf Dauer nicht aus der Armut führt, unterstützt UNICEF die malawische Regierung nun verstärkt, den Mitgliedern der SCT-Programme Zugang zu essentiellen Dienstleistungen in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Landwirtschaft und Mikrofinanzierung zu verschaffen.

Inlinebild11_Malawi

Vor allem alten Menschen kommen die STC-Programme zugute.
© UNICEF

Schulbildung wird möglich gemacht

Ich habe auch eine Schule in Blantyre besucht. Viele dieser Kinder können aufgrund der SCT-Programme in die Schule gehen. Stolz erzählen sie mir, dass sie die nächste Generation von "Thinkers" sein möchten. Sie sagen mir auch, dass sie unglaublich dankbar sind, die Schule durch die Initiativen von UNICEF besuchen zu können.

Inlinebild12_Malawi

Tessa Page in einer Schulklasse in Blantyre.
© UNICEF

Inlinebild13_Malawi

Kinder, die die Schule besuchen, haben höhere Chancen auf ein besseres Leben.
© UNICEF

Gemeinsam stehen wir Kindern zur Seite

UNICEF leistet lebensrettende Hilfe. Das Kinderhilfswerk verteilt in Krisengebieten therapeutische Spezialnahrung, Impfstoffe, sauberes Wasser und bietet Kindern darüber hinaus Schutz vor Gewalt. Unermüdlich betreibt UNICEF Aufklärungsarbeit und unterstützt mit kleinen Geldbeträgen die untersten 10 Prozent der Ärmsten, damit ihre Kinder zur Schule gehen können und Chance auf eine bessere Zukunft haben. Denn der Anblick dieser verzweifelten Menschen lässt niemanden kalt.

Dieser Einsatz und der Erfolg sind überwältigend – ich kann es garantieren, denn ich habe es gesehen. Ihnen versichere ich, dass Ihre Spende an die Stiftung United Internet for UNICEF zu 100% an UNICEF weitergeleitet wird.

Anlässlich unseres zehnten Geburtstages, den wir 2016 mit unserer Stiftung feiern, haben wir einen großen Wunsch: Helfen Sie uns die Notlage in den von El Niño stark betroffenen Ländern Malawi, Simbabwe und Mosambik zu bekämpfen. Die Folgen dieser Krise sind katastrophal – und wir haben noch viel Arbeit vor uns. Werden Sie UNICEF-Pate, damit wir in Notlagen immer direkt Hilfe leisten und den betroffenen Kindern zur Seite stehen können.

Ihre Einzelspende bewirkt:

  • 120 Euro - vier Babywaagen zur Gewichtskontrolle
  • 60 Euro - Therapie mit Erdnusspaste für ein schwer mangelernährtes Kind
  • 10 Euro - 375 Päckchen Mikronährstoff-Pulver

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Mit herzlichen GrüßenIhre Tessa Page

Tessa Page in Malawi

© UNICEF

KOMMENTAR SCHREIBEN

Herzlich Willkommen im Stiftungs-Blog!

Wir verarbeiten Ihre Daten mit Ihrer Einwilligung gemäß Art. 6 Abs. 1 f DSGVO, damit Sie einen Kommentar hinterlassen können. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Für ein faires Miteinander beachten Sie bitte die Verhaltensregeln.
*Pflichtfeld