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In Nepal haben fast 600.000 Kinder noch nie eine Schule besucht. Ein Viertel aller Mädchen im Grundschulalter hat keine Chance, am Unterricht teilzunehmen. Die meisten müssen Geld verdienen oder im Haushalt helfen. Zudem fehlt es in abgelegenen Bergdörfern an Lehrern, und die schlechte Qualität des Unterrichts lässt die Kinder frühzeitig die Schule abbrechen.
UNICEF ermöglicht vor allem Mädchen aus armen Familien mit dem landesweiten Programm „Bal Shiksha“ eine Grundbildung. Jährlich lernen 23.000 Kinder in „Bal Shiksha“-Kursen Lesen, Schreiben und Rechnen. UNICEF hilft zudem, den Unterricht in staatlichen Schulen zu verbessern.
Fast 40 Prozent der Menschen in Nepal müssen mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen. Etwa zwei Millionen Kinder arbeiten, um ihre Familien zu unterstützen. Sie haben deshalb kaum Gelegenheit, die Schule zu besuchen. 14 Prozent der Schülerinnen und Schüler verlassen die Schule schon vor dem Ende der ersten Klasse. Nur die Hälfte der Kinder schließt die fünf-jährige Grundschulzeit ab. Die Gründe: Vor allem auf dem Land gibt es zu wenig Schulen. Die Lehrer sind oft schlecht ausgebildet und haben nicht gelernt, die Kinder aktiv in den Unterricht einzubeziehen. Es fehlt an Tafeln, Büchern und Stiften. Viele Familien entscheiden sich deshalb dagegen, ihre Kinder in die oft weit entfernten Schulen zu schicken.

Verglichen mit anderen Ländern in Asien ist das Bildungsniveau in Nepal sehr niedrig. Die Alphabetisierungsrate liegt bei nur 48 Prozent. Besonders geringe Bildungschancen haben Frauen: Trotz großer Fortschritte in den vergangenen Jahren kann nur ein Drittel von ihnen Lesen und Schreiben. Mädchen werden viel seltener eingeschult als ihre männlichen Altersgenossen und brechen die Schule noch häufiger ab. Oft müssen die Mädchen die Schule verlassen, weil sie schon mit zehn oder elf Jahren verheiratet werden. Fast die Hälfte aller 15- bis 19-jährigen Mädchen ist bereits Ehefrau.
Auch der Mangel an Mädchentoiletten und die Tatsache, dass drei Viertel aller Lehrer Männer sind, halten Mädchen vom Schulbesuch ab. Die Benachteiligung der Frauen spiegelt sich in Nepal sogar in ihrer durchschnittlichen Lebenserwartung wider: Sie liegt mit 52 Jahren vier Jahre unter der der Männer.
1. „Bal Shiksha“ - Grundbildung für 23.000 Kinder
„Bal Shiksha" ist ein Programm vor allem für Mädchen zwischen zehn und 15 Jahren, die noch nie zur Schule gegangen sind. An sechs Tagen in der Woche finden je zwei Stunden Unterricht statt. Jeder Kurs mit etwa 25 Schülerinnen dauert neun Monate. Der Unterricht ist dem Alltag der Kinder angepasst: Sie lernen Lesen, Schreiben und Rechnen, bekommen wertvolle Informationen über Gesundheit und Hygiene und werden ermutigt, ihre Meinung zu äußern. Die Kinder können nach einem Kurs in die dritte Klasse einer staatlichen Grundschule wechseln oder einen Aufbaukurs besuchen. UNICEF bildet Lehrer aus und stellt Unterrichtsmaterialien zur Verfügung. Jährlich können zurzeit 23.000 Kinder an den Kursen teilnehmen.
2. Satellitenschulen und Aufholklassen
Damit mehr Kinder einen anerkannten Schulabschluss erhalten, unterstützt UNICEF zwei neue Bildungsprogramme für zunächst 3.000 Schüler pro Jahr. In entlegenen Dörfern werden für die ersten drei Schuljahre „Satellitenschulen“ eingerichtet. Ab der vierten Klasse besuchen die Schüler die reguläre Grundschule. Ein Aufholprogramm mit straffem Lehrplan und flexiblen Unterrichtszeiten ermöglicht es Acht- bis Zehnjährigen, auch wenn sie zusätzlich arbeiten müssen, die normalerweise fünfjährige Grundschulzeit innerhalb von drei Jahren abzuschließen.
3. Besserer Unterricht in staatlichen Schulen
UNICEF will auch die staatlichen Schulen kinderfreundlicher und attraktiver gestalten. UNICEF hilft, 120 Schulen instand zu setzen und mit Möbeln auszustatten. Gemeinsam mit der Bevölkerung werden Dächer repariert, Wasserleitungen verlegt und Latrinen gebaut. Auch Sport- und Spielplätze sind geplant. 30.000 Kinder erhalten Schulmaterialien wie Bücher, Hefte und Uniformen. Über 600 Lehrer werden in zeitgemäßen, kreativen Unterrichtsmethoden fortgebildet. Schülerclubs und Elternpflegschaften gestalten den Schulalltag und die Unterrichtsinhalte mit. Zudem unterstützt UNICEF die Reform der Lehrpläne für Grundschulen