Boliven: Schulen für Mädchen

Die riesige Siedlung El Alto oberhalb der bolivianischen Metropole La Paz zieht seit Jahren arme indianische Familien aus dem Umland an. Doch ihre Hoffnung auf ein besseres Leben in der Großstadt erfüllt sich meist nicht: Drei Viertel der Menschen in El Alto leben in Armut und müssen ihren Lebensunterhalt hart erkämpfen. Die Kinder müssen mitarbeiten, um die Familien zu unterstützen. Viele Kinder verbringen den gesamten Tag und oft die halbe Nacht auf der Straße. Für den Schulbesuch haben die meisten weder Zeit noch Geld, das gilt besonders für die Mädchen. Um die Situation der Mädchen zu verbessern, unterstützt UNICEF in El Alto 17 Abendschulen für Straßenkinder. Die Schülerinnen erhalten Lernmaterial. UNICEF fördert außerdem die Lehrerausbildung.

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Armut treibt Menschen in die Stadt

El Alto liegt auf einer Hochebene oberhalb der bolivianischen Großstadt La Paz, auf über 4.000 Metern Höhe. In den schnell wachsenden Armenvierteln leben vor allem Menschen indianischer Abstammung. Obwohl sie die Bevölkerungsmehrheit in Bolivien stellen, leiden sie oft unter Diskriminierung und fehlenden Bildungsmöglichkeiten. In den ländlichen Regionen, aus denen die meisten Indígenas stammen, leben vier von fünf Menschen in Armut - deutlich mehr als im Landesdurchschnitt. Das spiegelt sich auch in der Situation von El Alto wider. 20 Prozent aller Frauen können nicht lesen und schreiben. Bei den Männern sind es nur vier Prozent. Besonders Mädchen brechen die Schule häufig frühzeitig ab - auch weil die Ausstattung der Schulen und die Unterrichtsqualität schlecht sind.

Gefahr für arbeitende Kinder

Viele Mädchen und Jungen in El Alto arbeiten auf der Straße. Sie verkaufen Zigaretten, Süßigkeiten und Handy-Telefonate oder begleiten Busse als Fahrscheinentwerter - häufig bis spät in die Nacht. Für den Schulbesuch bleibt den meisten keine Zeit. Etliche Kinder kommen auf der Straße auch in Kontakt mit Drogen. Sie schnüffeln den billigen Klebstoff „clefa“, der zu schweren Gesundheitsschäden führt. Besonders die Mädchen sind in Gefahr, ausgebeutet oder sexuell missbraucht zu werden. Wenn diese Kinder in die Schule gehen, sind sie wenigstens für ein paar Stunden geschützt. Bildung ist zugleich für die Kinder die einzige Chance, später dem Kreislauf der Armut zu entkommen.

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Bildung - Fakten

  • Im Jahr 2006 gingen weltweit 93 Millionen Kinder nicht zur Schule. 48,4 Millionen von ihnen waren Mädchen, 44,7 Millionen Jungen.
  • Knapp die Hälfte aller Kinder, die nicht zur Schule gehen, lebt in Afrika südlich der Sahara.
  • Weltweit stehen 100 eingeschulten Jungen nur 94 eingeschulte Mädchen entgegen.
  • Ungefähr 774 Millionen erwachsene Menschen sind Analphabeten, das heißt jeder fünfte weltweit.

Was tut UNICEF?

1. Mädchen den Schulbesuch ermöglichen

UNICEF unterstützt in El Alto Lernmöglichkeiten für Kinder, die tagsüber arbeiten müssen. In 17 ausgewählten Schulen findet abends nach den regulären Schulstunden der Unterricht für sie statt. Besonders Mädchen lernen hier einige Stunden am Tag Lesen, Schreiben und Rechnen. Jede Abendschule bietet etwa 200 bis 300 Kindern Platz. UNICEF stellt den Kindern und Lehrern das notwendige Unterrichtsmaterial zur Verfügung. Mädchen, die mindestens 80 Prozent der Zeit am Unterricht teilnehmen, erhalten ein Stipendium von 30 Euro pro Jahr - ein wichtiger Anreiz, zur Schule zu gehen statt zu arbeiten. Kinder, die besondere Förderung brauchen, erhalten Nachhilfeunterricht. Alle Schüler haben die Möglichkeit, bis zur achten Klasse an den von UNICEF unterstützten Kursen teilzunehmen. Insgesamt werden über das Programm rund 4.700 Mädchen und Jungen erreicht.


2. Qualität der Schulen verbessern

Um die Klassenzimmer der Schulen für den Abendunterricht auszustatten, lässt UNICEF elektrisches Licht installieren. Aber auch neue Tische, Bänke, Tafeln, Lernposter und einfache Schulbibliotheken werden bereitgestellt, um das Lernen für die Straßenkinder attraktiver zu machen. 200 Lehrer sowie die Schulleiter erhalten Fortbildungen, um die Qualität ihres Unterrichts zu verbessern. UNICEF setzt sich zudem dafür ein, die Lehrpläne lebensnah zu gestalten und beispielsweise auch Informationen über Gesundheit und Hygiene zu vermitteln.