Indien: Kinderarbeit in der Baumwollindustrie stoppen

Bildung ist besonders wichtig, um arbeitenden Kindern bessere Zukunftschancen zu geben.

m südindischen Bundesstaat Andhra Pradesh arbeiten rund 200.000 Kinder in der Baumwollindustrie. Besonders die Mädchen sind beliebte Arbeitskräfte, weil sie geschickt und fügsam sind. Elf, zwölf Stunden täglich verbringen sie auf dem Feld - eine anstrengende und wegen des starken Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln auch gefährliche Tätigkeit. Zur Schule gehen die wenigsten. UNICEF hat in der besonders betroffenen Region Kurnool ein Programm gestartet, um arbeitende Kinder in die Schule zu bringen. Junge Mädchen erhalten die Chance, eine Berufsausbildung zu machen. UNICEF hilft auch, die Einkommenssituation der Erwachsenen zu verbessern - zum Beispiel durch die Gründung landwirtschaftlicher Genossenschaften. So können sie eher auf die Mitarbeit ihrer Kinder verzichten.

 

 

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Abhängigkeit von den Landbesitzern

Andere Familien besitzen überhaupt kein eigenes Land und schlagen sich als Tagelöhner durch. Ihre Kinder arbeiten oft schon als Sechsjährige auf den Baumwollfarmen - die meisten unter sklavenähnlichen Bedingungen, als so genannte Schuldknechte: Ihre Familien haben sich bei den Landbesitzern Geld leihen müssen und als Gegenleistung die Arbeitskraft ihrer Kinder zugesagt. Während der Hochsaison werben Zwischenhändler sogar Mädchen aus entfernten Dörfern an. Sie leben dann monatelang in vom Arbeitgeber bereitgestellten Unterkünften - Willkür und Missbrauch oft schutzlos ausgeliefert.

Andhra Pradesh ist eines der Zentren der indischen Baumwollindustrie. In der Region Kurnool sind Kinder vor allem in der arbeitsintensiven Produktion von Baumwoll-Saatgut beschäftigt. Viele Familien hier sind Angehörige der niedrigsten indischen Kasten und völlig verarmt. Für die vielen Kleinbauern sind Saatgut und Pestizide sehr teuer, bei Missernten haben sie oft keinerlei Reserven.

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Ausbeutung - Fakten

  • Nach Schätzungen von UNICEF arbeitet weltweit jedes sechste Kind zwischen fünf und 14 Jahren. In Regionen wie Afrika südlich der Sahara ist es sogar jedes dritte Kind.
  • Rund 8,4 Millionen Mädchen und Jungen werden unter extremen Bedingungen ausgebeutet – als Zwangsarbeiter, Schuldknechte, Kindersoldaten oder Prostituierte. Schätzungen zufolge werden allein in Asien jährlich mindestens eine Million Kinder für die Prostitution missbraucht.
  • Kinderarbeit ist oft kaum sichtbar: So arbeiten Millionen Dienstmädchen in fremden Haushalten – oft in völliger Abhängigkeit von ihren Arbeitgebern.
  • Viele arbeitende Kinder erhalten keine Bezahlung. Vor allem die Hausmädchen bekommen oft nicht mehr als Essen und eine Unterkunft.

Was tut UNICEF?

1. Schulbesuch für alle Kinder

UNICEF hat in 100 Dörfern in Kurnool ein umfassendes Programm gegen ausbeuterische Kinderarbeit gestartet. Dazu gehört, dass möglichst jedes Kind zur Schule gehen kann. UNICEF hilft deshalb, die Schulen besser auszustatten. Die Kinder erhalten kostenlos Schulmaterial und -uniformen. In von UNICEF unterstützten, so genannten Brückenschulen können Kinder den verpassten Schulstoff nachholen. Oft hatten sie jahrelang keinen Unterricht. UNICEF bindet in der Projektregion zudem die Aufklärungsarbeit eng in den Unterricht ein. Wichtig ist es vor allem, dass die Lehrer für den Schulbesuch werben und sich öffentlich gegen Kinderarbeit stark machen. Mit Broschüren und bei Veranstaltungen in den Dörfern klärt UNICEF auch über die Pestizidgefahr auf - und sucht gemeinsam mit allen Beteiligten nach Alternativen.

2. Bessere Einkommensmöglichkeiten

Damit die Familien langfristig auf die Mitarbeit ihrer Kinder verzichten können, müssen sie sich neue Verdienstmöglichkeiten erschließen. UNICEF regt dafür die Gründung von Dorfkomitees an, in denen sich besonders die Frauen und Mädchen engagieren. UNICEF informiert die Frauen darüber, wie sie zinsgünstige Kleinkredite in Anspruch nehmen oder eine kleine Genossenschaft gründen können. Bei den Treffen lernen die Dorfbewohner auch, ihre rechtlichen Möglichkeiten besser wahrzunehmen. Sie erfahren, wo sie Fälle von Ausbeutung anzeigen können und lernen, dass sie gemeinsam eine stärkere Verhandlungsposition gegenüber den Arbeitgebern haben. In von UNICEF unterstützten Jugendclubs können sich Mädchen zwischen 14 und 18 Jahren treffen und zum Beispiel Computerkenntnisse erwerben.