Ecuador: Hilfe für Kinder auf Müllkippen

Über 600.000 Kinder und Jugendliche in Ecuador müssen mitarbeiten, um ihre Familien zu unterstützen: Fast 40 Prozent der Menschen in dem lateinamerikanischen Land leben in Armut. Sie haben umgerechnet weniger als zwei US-Dollar am Tag zum Leben. Besonders sichtbar sind Armut und Ausbeutung auf den Müllkippen der Städte: Ganze Familien leben hier vom Durchsuchen des stinkenden Abfalls nach Verwertbarem.

Die Kinder gehen oft nicht zur Schule, viele sind krank. Aber auch Kinder, die sich auf der Straße durchschlagen oder auf Baustellen und Bananenplantagen arbeiten, sind extrem gefährdet. UNICEF hilft, in acht Städten Ecuadors ein umfassendes Betreuungsprogramm aufzubauen. Arbeitende Kinder erhalten Schulstipendien sowie medizinische und psychosoziale Hilfe.

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Gefährliche Arbeit auf Müllkippen

Rund ein Fünftel aller arbeitenden Kinder in Ecuador schuftet unter extrem harten und gefährlichen Bedingungen. Für Tausende Familien ist das Sammeln und Sortieren von Müll die einzige Einnahmequelle. Häufig arbeiten die Eltern schon seit Jahren als Müllsammler, die Kinder müssen früh mithelfen. Zur Schule gehen die Kinder - wenn überhaupt - nur wenige Jahre. Bei der Arbeit auf den Müllkippen droht ständig Gefahr: Die Lastwagenfahrer nehmen keinerlei Rücksicht auf Kinder. Im Abfall lauern zudem Glas- und Metallsplitter, chemische Giftstoffe oder nicht getrennt entsorgter Abfall aus Krankenhäusern. Durch verschmutztes Wasser oder Schädlinge kommt es häufig zu Haut- und Augeninfektionen oder Darmkrankheiten. Darüber hinaus gehören in vielen Familien Gewalt und Alkoholismus zum Alltag – für die Kinder eine zusätzliche seelische Belastung.

 

Kaum Schutz für arbeitende Kinder


Armut und Vernachlässigung treiben viele Kinder auf die Straße. Die Jungen und Mädchen versuchen, sich als Schuhputzer oder Bettler durchzuschlagen. Staatliche Hilfsangebote für Familien in Not gibt es kaum. Und das Bewusstsein für Kinderrechtsverletzungen ist gering: Viele Plantagenbesitzer oder Müll-Aufkäufer ignorieren, dass Kinder unter 15 Jahren nicht arbeiten dürfen. Verstöße werden bisher kaum geahndet. Seit April 2004 gibt es zwar in einigen Regionen staatliche Kontrolleure, die Plantagen oder Müllkippen regelmäßig kontrollieren. Auch dank Unterstützung von UNICEF arbeiten bereits 600 Kinder weniger auf den Müllhalden als zuvor. Doch in vielen Regionen erhalten gerade die ärmsten Kinder weiter kaum Unterstützung.

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Ausbeutung - Fakten

  • Nach Schätzungen von UNICEF arbeitet weltweit jedes sechste Kind zwischen fünf und 14 Jahren. In Regionen wie Afrika südlich der Sahara ist es sogar jedes dritte Kind.
  • Rund 8,4 Millionen Mädchen und Jungen werden unter extremen Bedingungen ausgebeutet – als Zwangsarbeiter, Schuldknechte, Kindersoldaten oder Prostituierte. Schätzungen zufolge werden allein in Asien jährlich mindestens eine Million Kinder für die Prostitution missbraucht.
  • Kinderarbeit ist oft kaum sichtbar: So arbeiten Millionen Dienstmädchen in fremden Haushalten – oft in völliger Abhängigkeit von ihren Arbeitgebern.
  • Viele arbeitende Kinder erhalten keine Bezahlung. Vor allem die Hausmädchen bekommen oft nicht mehr als Essen und eine Unterkunft.

Was tut UNICEF?

1. Anlaufstellen für 8.000 Kinder in Not

UNICEF hilft, in acht Städten Anlaufstellen für Kinder und Familien aufzubauen - in Quito, Manta, Esmeraldas, Machala, Empalme, Cuenca, Galapagos sowie Santo Domingo de los Colorados. Rund 8.000 arbeitende oder vernachlässigte Kinder sollen hier Zugang zu medizinischer Hilfe, zu Bildung und Beratungsangeboten erhalten. Träger ist das Nationale Institut für Kinder und Familie. UNICEF finanziert Schulmaterial sowie die medizinische Versorgung für rund 875 Kinder. 160 Sozialarbeiter, Polizisten, Richter sowie Gemeindevertreter erhalten von UNICEF Schulungen, damit sie den Kindern und ihren Eltern jeweils die richtige Hilfe vermitteln können.

2. Schulstipendien für 400 Kinder

Rund 150 Kindern, die auf Müllkippen arbeiten, sowie 250 Straßenkindern ermöglicht UNICEF über die Anlaufstellen ein einjähriges Schulstipendium. Der intensive Aufholkurs umfasst 25 Wochenstunden. Danach sollen die Kinder wieder den normalen Unterricht besuchen können. UNICEF stellt Schulmaterial bereit, schult die Lehrer und hilft, die zusätzlichen Klassen zu organisieren. UNICEF übernimmt zudem die Kosten für notwendige medizi-nische Behandlungen. Mitarbeiter der Zentren halten Kontakt zu den Familien und vermitteln Unterstützung - zum Beispiel bei der Gründung von Recycling-Genossenschaften, die ihr Einkommen verbessern.

3. Aufklärung gegen Kinderarbeit auf Müllkippen

In elf Städten Ecuadors arbeitet UNICEF mit den lokalen Behörden zusammen, um das Verbot von Kinderarbeit auf Müllkippen auch durchzusetzen. So sollen Inspektoren die Plätze regelmäßig kontrollieren und den Familien Hilfe anbieten. Mit Informations-kampagnen wirbt UNICEF dafür, dass die Kinderarbeit auf allen Müllhalden im Land abgeschafft wird.